Lernkultur statt Schuldkultur

„Zeigen Sie mir jemanden, der noch keinen Fehler gemacht hat, und ich zeige Ihnen einen Menschen, der noch nie etwas geleistet hat.“ (T. Roosevelt)

Allzu oft heißt es in Unternehmen noch vorwurfsvoll „Wer hat diesen Fehler gemacht?“ Anstatt genau zu analysieren: „Wie konnte es zu diesem Fehler kommen?“, um die Ursache für einen Fehler herauszufinden und diesen künftig zu vermeiden.

Was ist ein Fehler?

Unter einem Fehler wird im Allgemeinen das Auftreten eines unerwünschten Ereignisses (zum Beispiel die Verzögerung eines Projekts oder die Verursachung eines finanziellen Schadens für die Firma) verstanden, das entweder individuell begründet ist (Unkenntnis, Nachlässigkeit oder Absicht) oder auf einen Fehler im System hinweist.

Wie sieht es mit der Fehlertoleranz in Deutschland aus?

Die Untersuchungen des Wirtschaftspsychologen und -forschers Professor Michael Frese von der Leuphana Universität Lüneburg haben unter anderem ergeben, dass Deutschland in puncto Fehlertoleranz von 61 Ländern an vorletzter Stelle steht. Fehler und Misserfolge werden hierzulande meist unnachsichtig geahndet. Wo Sanktionen oder zumindest Peinlichkeit drohen, traut sich kaum jemand, Fehler offen einzugestehen – mit zum Teil fatalen Folgen.

Was ist eine Fehlerkultur?

Meist sind Fehler nach wie vor ein großes Tabu. Doch der Anspruch fehlerfrei zu sein, ist unrealistisch.

Eine Fehlerkultur dagegen beschreibt, wie der Umgang mit Fehlern und deren Folgen innerhalb eines Unternehmens beziehungsweise einer Gruppe von Menschen ist.

In einer offenen und sanktionsfreien Fehlerkultur werden Fehler als Lern- und Wachstumschance erkannt und Mitarbeiter:innen motiviert, gemachte Fehler zuzugeben und die Bedingungen und Annahmen, die dazu geführt haben, zu reflektieren um daraus zu lernen.

 

Außerdem trägt eine echte und offene Feedbackkultur dazu bei, Mitarbeiter:innen ans Unternehmen zu binden und künftigen Fehlern vorzubeugen.

 

Wichtig: Nicht jeder Fehler ist eine Lernchance. Fehler, die zum Beispiel aus Sorglosigkeit oder Vorsatz begangen werden, müssen auch entsprechende Konsequenzen haben – gleiches gilt, wenn derselbe Fehler mehrmals begangen wird.

Fehler machen ist in modernen Unternehmen bei Entwicklungsprozessen unvermeidlich, nur so können überhaupt innovative Produkte entstehen. Diese Neuheiten braucht ein Betrieb heutzutage, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Angst vor Fehlern lähmt dagegen die kreativen Zellen im Gehirn; Perfektion und Innovation schließen sich aus.

Wie könnte beispielsweise ein kreativer Umgang mit Fehlern aussehen?

Fehler lassen sich für das Marketing nutzen

Mit Fehlern werben? Warum nicht? Mit Storytelling kannst Du Verbrauchern die Botschaft vermitteln, wie schwierig manche Probleme sind und wie viele Fehlschläge es gebraucht hat, bis endlich ein Modell den strengen Anforderungen Genüge getan hat und in den Verkauf gelangen konnte. (Natürlich wird die Werbetrommel nicht während der Entwicklung des Produkts gerührt, sondern erst nach erfolgter Markteinführung.)

Feiere Deine Scheitergeschichten

Der Chef eines mittelständischen Unternehmens lädt zu einer Betriebsversammlung ein.
Er springt auf die Bühne und erzählt von einer richtig fiesen Scheitergeschichte.
Die Mitarbeiter:innen staunen und schauen sich fragend an. Er hat seine Informationen, Kenntnisse, Rahmenbedingungen und Annahmen, die zum Scheitern beigetragen haben, genau reflektiert. Wo genau habe ich eine falsche Annahme getroffen? Was genau fehlte? Informationen? Analysen? Fachkenntnisse? Falsches Timing? Was habe ich daraus gelernt? Was werde ich in Zukunft besser machen?

Ganz schön mutig! Er geht als Vorbild für eine neue Lernkultur voran.

Fehler passiert? Shit happens! Feiere die kleinen und großen Fehler in Deinem Unternehmen. Egal ob Fuck Ups in agilen Organisationen oder Lernrunden in traditionellen Unternehmen: Wichtig ist, dass Ihr Euch an einen Tisch setzt, wo Fehler und Fehlschläge das normalste auf der Welt sind und Ihr voneinander lernt.

So werden Fehler aus der Schmuddelecke geholt und den Mitarbeiter:innen signalisiert, dass es kein Drama, sondern im Gegenteil manchmal sogar cool sein kann, darüber zu reden. 

 

Wichtig: Wer vor den Kollegen sprichwörtlich die „Hosen runterlässt“ genießt Immunität. Das bedeutet: Seine Offenheit darf in keinem Feedback oder in keiner Gehaltsverhandlung gegen ihn verwendet werden.

Lass Fehler zu einem echten Wettbewerbsvorteil für dein Unternehmen werden.

Zu einem echten Asset und Wettbewerbsvorteil werden Fehler (nicht: Fehlverhalten) für Unternehmen und Dich als Führungskraft erst, wenn sich die Organisation von einer Fehlerkultur in eine Lernkultur verwandelt. Das heißt: Die Rahmenbedingungen im Unternehmen machen ein angstfreies Scheitern und Lernen möglich. Dazu zählen unter anderem eine wertschätzende Feedbackkultur, ein nüchternes Analysieren von Fehlern und ein transparenter Umgang mit Scheitern.
Wichtig: Sei geduldig und probiere aus – auch wenn nicht gleich alles auf Anhieb klappt.

Wie sieht eure Fehler-/Lernkultur aus? Hinterlasse gern einen Kommentar oder schreibe eine Mail an:

kontakt@beate-gutke.de

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